Internationale Chinakonferenz 2007

05-04-2007

Moderation

Menschenrechte und Wirtschaftsinteressen - China hinter den Kulissen

Am 30. März 2007 fand in Königstein im Taunus eine Internationalen Chinakonferenz statt, welche von mir moderiert wurde. Veranstalter war die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Kooperation mit Epoch Times Europe GmbH. International erfahrene Experten aus Wirtschaft und Politik haben die Faktoren der als unaufhaltsam angesehenen boomenden Wirtschaft Chinas und die daraus entstehenden Chancen und Risiken für westliche Unternehmen beleuchtet und diskutiert.

Folgenden Fragen wurde u.a nachgegangen:

Was geschieht mit dem immensen Geld und Know-how Transfer nach China, wer zieht den Nutzen daraus?

Was wissen wir über die tatsächlichen Zustände in China in Anbetracht der systematischen Kontrolle und Zensur?

Was wissen wir über die Beweggründe der derzeitigen Machthaber angesichts der Informationen über den dortigen systematischen Organraub an lebenden Menschen?

Wie zuverlässig ist der chinesische Partner, welche Chancen haben wir im Rechtsstreit mit chinesischen Unternehmen?


Eine kurze Übersicht

“Neo-Kommunismus und Chinas Softpower”

Auf dem Felde der China Studien debattieren westliche Gelehrte und Politiker voller Enthusiasmus über Themen wie: Wie die chinesische Gesellschaft wirklich ist, wohin sich China entwickelt und welche Chinapolitik für den Westen sinnvoll ist. Dies sind wichtige Fragen, angesichts dessen, dass ¼ der Weltbevölkerung aus Chinesen besteht, und angesichts des ständig wachsenden bilateralen Handels und der Globalisierung. Die meisten Sinologen betrachten China durch eine ideologisch, oder gar politisch gefärbte Brille. Einige beugen sich sogar den Forderungen der kommunistischen Herrscher, um spezielle Vorteile oder den Zugang zum Parteistaat zu erhalten. Ihre Ansichten teilen sich oft in zwei Lager: China ist eine Bedrohung oder China ist ein Ausnahmefall. China ist jedoch komplexer als dies. Durch den Vergleich mit dem traditionellen chinesischen kommunistischen Modell und dem gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen System in China kommt er zu dem Ergebnis, dass sich China weder sehr von dem alten kommunistischen Modell unterscheidet, noch dass es ganz dem alten Kommunismus gleicht, wie bei vielen Menschen die romantische Vorstellung herrscht. Er beschreibt das gegenwärtige China als Neo-Kommunismus, ein Modell, das zu neigt, alles zu absorbieren, mit dem einzigen Zweck, die kommunistische Diktatur aufrecht zu erhalten und zu legitimieren.

Erping Zhang: Executive Director of Asia Research Association, Mason Fellow of Harvard, University J.F. Kennedy School of Gouvernement
 

„Blutige Ernte“

Im März 2006 wurde der Organraub an lebenden Falun Gong-Praktizierenden zum ersten Mal entdeck. Im Mai 2006 wurden die Autoren gebeten, unabhängige Nachforschungen und Untersuchungen zu diesen Besorgnis erregenden Vorwürfen gebeten. Auf Grund ihrer Recherchen sind David Matas und David Kilgour zu der Überzeugung gekommen, dass in China neben zum Tode verurteilen Strafgefangenen ausschließlich Falun Gong Praktizierende als lebende Organspender benutzt werden. Diese – aufgrund ihres Glaubens inhaftierten chinesischen Bürger - sterben im Verlauf der Organentnahme, ihre Organe werden mit großem Gewinn verkauft. Am 6. Juni 2006 legten David Matas und David Kilgour einen ersten Bericht vor, in dem sie auf der Grundlage offizieller Datenangaben zu dem Schluss kamen, dass die Herkunft der Organe von über 41.500 Organtransplantationen, die in China seit 2001 stattgefunden haben, nicht nachvollziehbar ist und sie nicht von Exekutierten stammen können.

Bericht
Bloody Harvest hier

Buch
Bloody Harvest - The killing of Falun Gong for their organs hier

Aktuelle Ergänzung:
Feb. 18. 2010 - Kilgour and Matas Nominated for Nobel Peace Prize


David Matas: Menschenrechtsanwalt aus Kanada; Mitglied der kanadischen Delegation der Generalvers. der Vereinten Nationen.
David Kilgour: langjähriger kanadischer Staatsanwalt und Parlamentsabgeordneter,
ehem. kanadischer Staatssekretär für den Asien-Pazifikraum

 

„Wenn China über die Welt kommt…“

Die Industrieländer haben das chinesische Potential erfolgreich gezündet – jetzt bekommen sie es mit der Angst zu tun. Zu Recht? ...

Rund 1000 Milliarden Dollar ausländischen Kapitals sind seit den 90er Jahren nach China geflossen – in ein politisches System der völligen Intransparenz und Willkürherrschaft von Funktionären einer einzigen Partei. Dieses Kapital und der damit einhergehende Know-how Transfer haben die produktiven Talente von 20 Prozent der Weltbevölkerung gezündet. Die Machthaber der Staatspartei nutzen dies für ihre Zwecke und machen sich daran, den ihnen vermeintlich zustehenden Platz in der Welt einzunehmen. Wir sie damit leben können?

Dr. Jörg-M. Rudolph: Dozent u. Geschäftsführer des Ostasieninstituts der FH für Wirtschaft in Ludwigshafen, von 1997 bis 2002 Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Peking, Gründungsmitglied der Deutschen Handelskammer in China


„Das Kontrollsystem der Gedanken des heutigen Chinas“

Der detaillierte Vortrag über die Gedankenkontrollsysteme der chinesischen KP stellt zu Beginn zwei brisante und interessante Fragen: Wie viele Parteisekretäre und Propagandainstitutionen gibt es in China? Nach Guo`s Meinung ist auch Parteichef Hu Jintao nicht in der Lage, diese Frage bis ins Detail zu beantworten. Guo jedoch kann sie beantworten. Schritt für Schritt und Zahl für Zahl wird in diesem Vortrag das System chinesischer Regierungsinstitutionen und Ebenen bis hin zu den Parteifunktionären sowie Einsichten in die tägliche Arbeit der Propagandainstitutionen gegeben. Beeindruckend und zugleich erschreckend wird gezeigt, wie der innere Aufbau der Parteisysteme existiert, co-existiert und funktioniert, wie man gezielt die Gedanken des Volkes kontrolliert, und warum man es in China unbedingt auf die Gedanken des Volkes abgesehen hat. Mit großer Transparenz wird der Propagandaapparat im täglichen Leben von 1,3 Milliarden Chinesen dargestellt. Von Mao Zedong bis Hu Jintao wird die Geschichte des Gedankenmanipulierens am chinesischen Volk erläutert und damit dem Hörer ein sehr beeindruckender Einblick in die Tiefen des letzten mächtigen kommunistischen Staatssystems gegeben.

Professor Jiao Guobiao: ehemaliger Professor für Publizistik an der Universität in Beijing, weltweit bekannt durch seinen mutigen Artikel: „Eine Erklärung zum Kampf gegen das chinesische Propagandaministerium“ – lebt heute im Exil, z.Z. in Deutschland


„Chinas Wirtschaft und Menschenrechte“

Ein starkes China das Menschenrechte ignoriert – eine Katastrophe für die Menschheit!

Chinas wirtschaftliche Entwicklung ist durch den Gegensatz zwischen einer schnell wachsenden Wirtschaft einerseits und einem Einparteiensystem mit der Kommunistischen Partei an der Spitze andererseits gekennzeichnet. Durch die rücksichtslose und auf kurzfristigen Profit gerichtete Wirtschaftspolitik der Kommunistischen Partei sind in China Umweltprobleme entstanden, die in ihrem Ausmaß weltweit einmalig sind. Ähnlich rücksichtslos geht die Kommunistische Partei auch mit den grundlegendsten Menschenrechten um. Die traditionelle Kultur Chinas mit ihren moralischen Werten ist seit 1949 systematisch durch die Kultur der Kommunistischen Partei ersetzt worden. Diese besagt: „Der Zweck heiligt die Mittel“. Die Mittel sind dabei vielfältig: Lügen, Betrügen, Gewalt, Terror… Das Rechtsystem existiert nur in Theorien, da die Partei stets über den Gerichten und den Gesetzen steht. Ein starkes China das Menschenrechte verteidigt – ein Glück für die Menschheit.

Man Yan Ng: Verkaufsleiter für den globalen Vertrieb- und Marketing eines multinationalen Technologie Unternehmens


Weitere Redner:

Dr. Thomas Weyrauch: Jurist, China-Experte und Buchautor

Petr Kutilek: Olympic Watch - Prag

Holger Haibach: MdB, Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte u. Humanitäre Hilfe